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Aktuelles

Tipps für den Alltag mit einem Stoma

Das Leben geht weiter, auch wenn mancher Stomaträger in den ersten Tagen und Wochen nach der Operation dies nicht so recht glauben mag. Das veränderte körperliche Aussehen, die Angst vor weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die Furcht, nicht mehr vollwertiger Partner in Familie, Beruf und Gesellschaft sein zu können, sind Probleme, die erst einmal bewältigt werden wollen.

Die Zuwendung der Familie, von Verwandten, Freunden und Bekannten kann jetzt neuen Lebensmut, Mut zur Auseinandersetzung und zur Bewältigung persönlicher Probleme mit dem Stoma wecken. Auch der Austausch mit Gleichbetroffenen und die vielen anderen Angebote der Deutschen ILCO können dabei helfen, wieder zurück ins Leben zu finden.

Die häufigsten Fragen, die uns Stomaträger am ILCO-Informationstelefon gestellt haben, haben wir nachfolgend aufgelistet und kurz beantwortet. Diese Liste kann und soll die medizinische Beratung eines Arztes oder Stomatherapeuten nicht ersetzen, sondern möchte einen ersten Überblick bieten. Falls Ihre Frage nicht dabei ist, freuen wir uns, wenn Sie persönlich oder telefonisch Kontakt zu uns aufnehmen.

 

Von Geräuschen bis zum Sexualleben

Blähungen, die beim Darmstoma geräuschvoll entweichen, sind für manche eine so große Belastung, dass sie befürchten, nicht mehr unter Menschen gehen zu können. Im Laufe der Genesungszeit nach der Operation vermindert sich die Neigung zu solchen Blähungen meist sehr, auch können Medikamente und eine Umstellung der Ernährung helfen. Nicht immer wird das Geräusch von anderen so deutlich vernommen, wie man selbst glaubt. Durch selbstbewusstes und ungeniertes Auftreten kann manche peinliche Situation überspielt werden oder gar nicht erst entstehen. Merkt man, dass eine Blähung im Kommen ist, kann das Geräusch durch Druck mit der Hand oder dem Unterarm auf das Stoma vermieden oder die Lautstärke verringert werden.

Stomaträger, die sehr oft unter geräuschvollem Gasabgang leiden, werden sicher gut damit fahren, in bestimmten Situationen (Beruf, Besuche) ihre Mitmenschen offen darüber aufzuklären. Helfen können vielleicht auch geräuschdämmende Auflagen oder eine spezielle Abdeckschale, mit Gürtel über dem Stoma zu tragen, die man kaufen kann.

Dank der modernen, vielfältigen Versorgungsmöglichkeiten mit geruchsfesten Beuteln sollten unangenehme Gerüche kein Thema mehr sein. Lediglich der Stomaträger selbst hat oft noch Angst zu riechen, obwohl dies nicht der Fall ist - es sei denn, der Filter am Beutel (bei Darmstoma) arbeitet unzureichend oder die Haftfläche hat sich etwas gelöst, was einen Beutelwechsel notwendig macht. Am meisten wird der Geruch beim Beutelwechsel oder beim Entlüften des Beutels stören. Hier helfen Geruch überdeckende oder neutralisierende Sprays als Luftverbesserer oder ein paar Tropfen eines speziellen Deodorants oder „Geruchstilgers“, die vor dem Anlegen in den Beutel getan werden können.

Die Folien der heute in Deutschland erhältlichen Beutel sind alle geruchsdicht. Sie lassen, je nach Fabrikat etwas unterschiedlich, jedoch für die Tragezeit ausreichend lange, keine Gerüche durch. Je nach Geruchsintensität und Menge der Ausscheidungen, meist erst nach längerer Tragezeit (länger als 2 Tage) kann die Folie weniger frisch wirken oder einen schwachen Eigengeruch annehmen.

Beim Anlegen des Beutels sollte immer darauf geachtet werden, dass ein flaches Luftpolster im Beutel ist, um auszuschließen, dass die Beutelinnenflächen zusammenhaften. Dieses Zusammenkleben verhindert, dass die Ausscheidungen in den unteren Teil des Beutels gelangen. Dazu kann auch das Einstecken eines Stücks Toilettenpapier vor dem Anlegen hilfreich sein.

Bei einer dicht abschließenden Versorgung, kommt es durch Darmgase zur Aufblähung des Beutels. Das ist besonders bei einer Colostomie der Fall. Die meisten Beutel haben deshalb einen eingebauten Filter, der ein geruchloses, kontinuierliches Entweichen dieser Gase erlauben soll. Nicht immer reicht jedoch die Geruchstilgung dieser Filter für die Dauer der Tragezeit aus. Als weiterer Nachteil wird oft empfunden, dass die Luft vollständig entweicht und so das wichtige Luftpolster, wie oben beschrieben, verloren geht. Diesen Nachteil muss man in Kauf nehmen, oder man muss auf das laufende Entweichen der Gase verzichten, indem man den eingebauten Filter mit einem Klebestreifen überklebt und diesen nur zum Entlüften abzieht.

Man benötigt keine spezielle Kleidung, sondern kann in der Regel dasselbe tragen wie vor der Operation. Kein Mensch wird etwas von dem Stoma oder der Versorgung sehen, denn moderne Versorgungen sind so flach und unauffällig, dass sie sich sogar unter enger Kleidung oder unter einem Badeanzug kaum abzeichnen. Außerdem glaubt immer nur der Stomaträger selbst, andere könnten etwas sehen, weil er ja weiß, wie das Stoma aussieht und wo es ist, aber die meisten unserer Mitmenschen wissen darüber überhaupt nicht Bescheid und werden somit auch nichts Außergewöhnliches entdecken. Frauen sollten keine zu engen Miederwaren tragen, die auf das Stoma drücken. Bei Bedarf kann vom Bandagisten ein Lochausschnitt eingearbeitet werden. Der Beutel lässt sich dann durchziehen und er kann sich so ungehindert füllen. Je nach Lage des Stomas kann es angenehmer sein, die Hose mit Hosenträgern anstelle eines Gürtels zu halten.

Die Ernährung muss immer der Verdauungsleistung des Einzelnen angepasst werden, allgemein gültige Ratschläge für Stomaträger werden zwar immer wieder gegeben, verlangen aber oft ganz unnötige Einschränkungen. Bei der Colostomie (Dickdarmausgang) ist meist nur ein kleiner Teil des Dickdarmes entfernt worden, weshalb sich der Grundrhythmus der Verdauung im Allgemeinen bald wieder einstellt. Je größer der Anteil des Dickdarmes ist, der entfernt oder ausgeschaltet wurde, desto häufiger und breiiger wird der Stuhl sein.

Bei einer Ileostomie (Dünndarmausgang), bei der der gesamte Dickdarm entfernt oder vorübergehend ausgeschaltet wurde, kann keine Speicherung und Eindickung des Stuhls mehr erfolgen, häufiger und breiiger bis flüssiger Stuhl ist dann ganz natürlich. Ist durch die Operation der Krankheitsherd entfernt und liegt keine andere organische Erkrankung vor, die eine bestimmte Diät notwendig macht, so kann ein Stomaträger als gesund bezeichnet werden und ist deshalb nicht generell eingeschränkt in der Wahl der Lebensmittel. Jeder wird jedoch trotzdem mit der Zeit herauszufinden versuchen, wie er mit der Art und Weise seiner Ernährung den Alltag oder bestimmte Situationen (z.B. Theaterbesuch) besser meistern kann oder wie er entsprechend der Zuverlässigkeit seiner Versorgung Blähungen und ungünstige Stuhlbeschaffenheit vermeiden kann.

Übrigens sollte man nach einiger Zeit die einmal als unverträglich eingestuften Nahrungsmittel noch einmal testen, denn es ist möglich, dass sie später andere Wirkungen zeigen.

Ileostomieträger erleiden durch die häufigen Darmentleerungen einen großen Verlust an Wasser und Mineralstoffen, welcher durch eine höhere Zufuhr von Getränken und Mineralien ausgeglichen werden soll. Mangelzuständen sollte durch regelmäßige Laborkontrollen durch einen erfahrenen Arzt vorgebeugt werden. Bei Kürzung des Dünndarms sollte die eingeschränkte Vitamin B12-Aufnahme beachtet werden. (Mehr zu diesem Thema finden Sie in der ILCO-Broschüre: „Ernährung nach Stoma- oder Darmkrebsoperation“, die Sie kostenlos in der Bundesgeschäftsstelle anfordern können.)

Für Urostomieträger ist die Einhaltung einer Diät nicht notwendig, außer Ihr Arzt schreibt eine solche im speziellen Fall vor. Im Allgemeinen aber sind alle Nahrungsmittel erlaubt. Spargel verursacht einen starken Geruch des Urins. Besonders wichtig ist es, täglich eine reichliche Menge an Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Häufige und dünnflüssige Darmentleerungen können manchmal die Folge der Entnahme des terminalen Ileums (Darmteil vor Einmündung in den Dickdarm) zur Konstruktion der Harnableitung (vor allem bei Pouchanlagen) und die dadurch gestörte Rückresorption der Gallensäuren sein.

Informieren Sie den verordnenden Arzt grundsätzlich über Ihr Stoma, da gewisse Medikamente (darunter auch die sogenannte Anti-Baby-Pille) nicht oder nur mangelhaft vom Darm aufgenommen werden (vor allem bei Ileostomie) oder Verdauungsbeschwerden hervorrufen können. Recht oft erleben es Stomaträger, dass sich die Verdauungsgewohnheiten als Folge einer medikamentösen Behandlung plötzlich ändern. Antibiotika können z.B. Durchfall, Schmerzmittel Verstopfung bewirken.

Durch die Einnahme von Medikamenten kann als Nebenwirkung auch in den Hautdrüsen und/oder Stuhl/Urin eine chemische Veränderung hervorgerufen werden, die sich auf die Haftung der Stomaversorgung auswirken kann.

Der überwiegenden Zahl der Stomaträger ist es möglich, ein erfülltes Sexualleben zu haben. Bei Männern kommt es in seltenen Fällen (z.B. bei der Entfernung ausgedehnterer Tumoren im Enddarmbereich bzw. nach Entfernung der Prostata) vor, dass bei der Operation Nerven geschädigt werden, die die Sexualfunktion, vor allem die Erektionsfähigkeit steuern. Auch können seelische Hemmungen die Ursache für Potenzstörungen sein. Hier spielt die Einstellung zum Stoma eine wichtige Rolle. Bei Frauen wirken sich seelische Faktoren noch deutlicher aus, wenn der eigene Körper als nicht mehr anziehend empfunden wird und sich daraus eine Abwehrhaltung und Unfähigkeit zur geschlechtlichen Beziehung entwickelt. In diesem Fall kann ein Gespräch beider Partner mit dem Arzt oder mit Gleichbetroffenen eine echte Hilfe sein. Auf alle Fälle muss betont werden, dass das Stoma alleine kein Hindernis für ein normales Sexualleben ist.

Ein Stoma ist kein Hinderungsgrund, dem gewohnten Sport nachzugehen. Sogar Schwimmen ist möglich! Nur Sportarten, die das Stoma oder den Sitz der Versorgung gefährden, sollten gemieden werden. Zu diesen Sportarten gehören z.B. Boxen, Gewichtheben, Judo, Karate und Ringen. Auch beim Geräteturnen kann es zu Schwierigkeiten kommen. Für manche Sportarten wie Ballsport, Wasserski u.a. ist das Tragen von Schutzgürteln oder -kappen von Vorteil.