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ILCO Stoma

Tipps für den Alltag mit einem Stoma

Das Leben geht weiter, auch wenn mancher Stomaträger in den ersten Tagen und Wochen nach der Operation dies nicht so recht glauben mag. Das veränderte körperliche Aussehen, die Angst vor weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die Furcht, nicht mehr vollwertiger Partner in Familie, Beruf und Gesellschaft sein zu können, sind Probleme, die erst einmal bewältigt werden wollen.

Die Zuwendung der Familie, von Verwandten, Freunden und Bekannten kann jetzt neuen Lebensmut, Mut zur Auseinandersetzung und zur Bewältigung persönlicher Probleme mit dem Stoma wecken. Auch der Austausch mit Gleichbetroffenen und die vielen anderen Angebote der Deutschen ILCO können dabei helfen, wieder zurück ins Leben zu finden.

Die häufigsten Fragen, die uns Stomaträger am ILCO-Informationstelefon gestellt haben, haben wir nachfolgend aufgelistet und kurz beantwortet. Diese Liste kann und soll die medizinische Beratung eines Arztes oder Stomatherapeuten nicht ersetzen, sondern möchte einen ersten Überblick bieten. Falls Ihre Frage nicht dabei ist, freuen wir uns, wenn Sie persönlich oder telefonisch Kontakt zu uns aufnehmen.

 

 

1. Welche Möglichkeiten der Versorgung gibt es? Eine kurze Übersicht.

Einteiliges Stoma Versorgungssystem

Einteilige und zweiteilige Versorgungssysteme

Erfahrungsgemäß entscheiden sich etwa gleich viele Betroffene für einteilige wie für zweiteilige Systeme. Für die Wahl des einen oder anderen Systems sind eigene Vorlieben, aber auch oft zwingende Trageeigenschaften ausschlaggebend. Bei einteiligen Systemen ist der Beutel mit der Haftfläche fest verbunden. Vorteil: Die Beutel sind sehr flexibel und tragen nicht auf. Nachteil: Geschlossene einteilige Beutel müssen immer, wenn sie voll sind, komplett gewechselt werden. Bei häufigem Wechsel bedeutet das eine Belastung der Haut durch das Abziehen und einen hohen Materialverbrauch.

Zweiteiliges Stoma Versorgungssystem

Beim Zweiteiler sind Haftfläche (Basisplatte) und Beutel getrennt und werden entweder mit einem Rastring (Druckknopfsystem) oder mit einer klebenden Verbindung miteinander gekoppelt. Je nach Bedarf können bei zweiteiligen Systemen geschlossene, Ausstreifbeutel oder Urostomiebeutel verwendet werden. Vorteil: Die Basisplatte kann länger auf der Haut bleiben, während der Beutel öfter gewechselt wird. Das schont die Haut, vor allem, wenn häufig gewechselt werden muss (geschlossene Beutel). Nachteile: Der Rastring trägt mehr auf, zeichnet sich bei dünner, eng anliegender Kleidung eher ab. Sowohl der Rastring als auch die klebende Verbindung Trägerplatte plus Haftfläche sind weniger flexibel. 

Konvexe Basisplatten und Beutelhaftfläche

Besonderheiten bei der Versorgung bei Narben oder Vertiefungen

Vor die Wahl zwischen flacher oder konvexer Haftfläche sind diejenigen Stomaträger gestellt, deren Beutelversorgung schwer abzudichten ist. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Narben und Vertiefungen direkt neben dem Stoma vorhanden sind oder das Stoma eingezogen unter Bauchdeckenniveau liegt. Bei geringer Tiefe der Unebenheiten genügen meist die flache Ausführung und die zusätzliche Verwendung von Abdichtpaste oder modellierbarem Hautschutzmaterial. Konvexe, d.h. im nahen Stomaumfeld schüsselförmig zur Bauchdecke hin gewölbte Haftflächen bewirken bei tieferen Unebenheiten durch Andruck eine höhere Dichtigkeit. Es gibt Beutel mit stärkerer und schwächerer Konvexität. Vorsicht: Manchmal kann zu starker Druck bei längerem Tragen zu Nekrosen (Zerstörung von Hautgewebe) führen. Deshalb sollte die Verwendung konvexer Materialien möglichst nach fachlicher Beratung erfolgen.

Geschlossene Beutel (Colostomiebeutel)

Geschlossene Beutel oder entleerbare Beutel

Geschlossene Beutel (Colostomiebeutel) werden üblicherweise dann gewechselt, wenn sie voll sind. Sie werden in der Regel verwendet, wenn täglich nur wenige Darmentleerungen von eher fester Konsistenz stattfinden und nicht mehr als maximal

etwa 3 Beutel pro Tag benötigt werden (von Ausnahmen abgesehen) und ausreichend Gelegenheit für den Beutelwechsel gegeben ist. Die Entsorgung der (vorher grob über der Toilette ausgedrückten) Beutel erfolgt nach vorherigem Einwickeln in eine Abfalltüte im Restmüll. Geschlossene Beutel gibt es einteilig oder – kombiniert mit einer Basisplatte – als zweiteiliges System.

Ausstreifbeutel (Ileostomiebeutel) zur Stomaversorgung

Ausstreifbeutel (Ileostomiebeutel) besitzen ein verlängertes, offenes Ende, durch das der Inhalt jederzeit, ohne den Beutel abnehmen zu müssen, entleert und mit einer separaten Klammer oder einem im Beutel integrierten Verschluss wieder dicht verschlossen werden kann. Ausstreifbeutel werden in erster Linie von Ileostomieträgern benutzt, die häufige, unregelmäßig über den Tag verteilte, eher weiche bis flüssige Darmentleerungen haben. Sie sind aber auch ideal, wenn Tätigkeit und Aufenthalt (Beruf, Reise, etc.) keine günstige Gelegenheit für den Beutelwechsel bieten. Einen kleinen Vorrat sollten sich auch Colostomieträger für eventuelle Durchfallerkrankungen und Reisen in südliche Länder zulegen. Ausstreifbeutel können, je nachdem, wie lange die Befestigung dicht hält, mehrere Tage am Körper bleiben. Sie sind als Ein- und als Zweiteiler erhältlich.

Urostomiebeutel werden aus geruchsdichtenKunststofffolien hergestellt und besitzen eine Rücklaufsperre (Flatterventil aus einer zusätzlichen Folie im Beutel), die verhindert, dass der Urin, der sich im unteren Beutelbereich sammelt, bei

Körperbewegungen zum Stoma zurückfließen kann. Es gibt, je nach Fabrikat, unterschiedliche Verschlüsse des Auslassröhrchens am Urostomiebeutel: Durch Umknicken und Einstecken des Ablaufschlauches in eine am Beutel befestigte Hülse, mit einer drehbaren Kappe, mit einem mit dem Beutel verbundenen, einsteckbaren Stöpsel, durch eine verschiebbare Manschette am Abflussröhrchen, durch einen umklappbaren Hebel und zusätzlicher Sicherung des Auslass-Endes durch eine Kappe, durch einen drehbaren Hebel, und viele mehr. Auch Größe und Volumen des Auslassröhrchens sind unterschiedlich. Urostomiebeutel sind als Ein- und Zweiteiler erhältlich. Um den Stomabeutel nachts nicht entleeren zu müssen, kann (falls nötig mit einem Verbindungsstück) ein Nachtbeutel mit einem langen Schlauch an den Tagesbeutel angeschlossen werden. Er fasst rund zwei Liter, ausreichend für die Urinmenge der ganzen Nacht.

Ausschneidbare oder vorgestanzte Lochöffnung

Ausschneidbare oder vorgestanzte Lochöffnungen

Einer der wichtigsten Grundsätze in der Stomaversorgung ist die Anpassung der Öffnung in der Haftfläche des Beutels bzw. der Basisplatte an die Stomagröße. Das bedeutet, dass die Haut um das Stoma von der Haftfläche vollständig abgedeckt sein muss. Vor allem bei aggressiven (Ileostomie) oder flüssigen (Urostomie) Ausscheidungen ist das unerlässlich. 

Nicht alle Stomaanlagen heilen schön rund und in Standardgrößen ein, dann müssen ausschneidbare Beutel oder Basisplatten gewählt werden. Es gibt Beutel mit sehr großem Schneidebereich, d.h. die Schweißnaht, mit der der Beutel mit der Haftfläche verbunden ist, liegt sehr weit außen. Andere – vor allem konvexe Ausführungen - sind zum Teil gar nicht oder nur wenig ausschneidbar.

2. Der Beutelwechsel: Vom Hautschutz bis zur Entsorgung

Wie schütze ich die Haut rund ums Stoma?

Nicht jede Haut ist gleich. Sicher hat jeder schon seine Erfahrungen mit Pflastern gemacht, die bei der Wundversorgung Verwendung finden. Wer hier schon Probleme mit der Verträglichkeit hatte, muss besonders vorsichtig in der Auswahl der Stomaversorgung sein und sorgfältig austesten, welche Materialien - vor allem auch längere Zeit – vertragen werden.

Schutz für die Haut

Speziell für die Stomaversorgung entwickelte Hautschutz-Lotionen oder nicht fettende Cremes können die Haut schützen, widerstandsfähiger machen und beim Abheilen von Entzündungen helfen. Die modernen Hautschutzflächen haften auf der unbehandelten Haut meistens am besten und sind in der Regel sehr gut verträglich. Bei zu fester oder auch zu geringer Haftung – je nach individueller Erfahrung – kann eine solche Hautschutzlotion ausgleichend wirken. Bei der Verordnung muss die medizinische Notwendigkeit vom Arzt bestätigt werden, sonst kann es zu Problemen bei der Kostenübernahme durch die Krankenkasse kommen.

 

Wie oft und wann wechsle ich am besten die Versorgung?

Der Beutelwechsel sollte am besten in einer Zeit vorgenommen werden, in der möglichst keine (oder nur geringe) Entleerungen zu erwarten sind. Bei Ileostomie und stark gekürztem Dickdarm, vor allem aber beim Urostoma gibt es im Tagesablauf oft nur wenige und oft nur kurze ausscheidungsfreie Zeiten. Umso fataler ist es, wenn sich die Versorgung zu unpassender Zeit löst und einen Wechsel erzwingt. Um solchen Überraschungen – die im Stomaträgerleben nie hundertprozentig auszuschließen sind – zu entgehen, sollte der Beutelwechsel vorsichtshalber nie zu lange hinausgezögert werden, sondern in einem Rhythmus erfolgen, in dem man sicher gehen kann, dass eine vorzeitige Undichtigkeit unwahrscheinlich ist.

Ein Beutelwechsel muss zwingend erfolgen, wenn die Haftung nicht mehr sicher ist und sich das Haftmaterial in der Stomaumgebung aufzulösen beginnt. Da – vor allem flüssiger – Stuhl aggressive Bestandteile enthält, ist der rechtzeitige und im Falle einer auftretenden Undichtigkeit schnelle Beutelwechsel beim Darmstoma für die Schonung der Haut unerlässlich.

Der Wechsel von geschlossenen Beuteln beim Colostoma, unabhängig von Haftungsproblemen sowie ein- oder zweiteiligem System, ergibt sich primär aus dem Füllungsgrad.

Dieser wird in der Regel bei einem Viertel bis maximal der Hälfte des Beutelvolumens liegen. Sind Beutelwechsel zu häufig nötig, sollte überlegt werden, ob nicht ein Ausstreifbeutel sinnvoller wäre.

Für den Wechsel der Basisplatte von zweiteiligen Systemen gibt es keinen festgelegten Zeitrahmen, obwohl dieser von den Firmen und Beratern immer wieder angegeben wird. Hier gilt einzig und allein der Grundsatz wie oben erwähnt: Der Wechsel muss erfolgen, wenn die Haftung nicht mehr sicher ist und wenn sich die Platte um das Stoma herum aufzulösen beginnt. Das kann schon nach einem Tag der Fall sein oder auch erst nach einer Woche. Solange die Basisplatte intakt ist gibt es keinen Grund, sie allein aus sogenannten „hygienischen“ Gründen in kürzeren Abständen zu wechseln. 

Wie entferne und wo entsorge ich die gebrauchte Versorgung?

Ein Versorgungswechsel wird immer dann notwendig, wenn die Versorgung nicht mehr sicher hält (z.B. das Hautschutzmaterial aufweicht) oder der Colostomiebeutel voll ist. Ileostomie- und Urostomieträger wählen dazu am besten eine möglichst entleerungsarme Zeit. Jeder wird diese Verrichtung mit der Zeit in seinen ganz persönlichen Tagesablauf einbauen. Wichtig ist es, alle Utensilien, die für die neue Versorgung notwendig sind, vorher herzurichten. Den benutzten Beutel löst man von einer Ecke beginnend, wenn notwendig unter Zuhilfenahme eines Pflasterentferners, ganz vorsichtig ab. Bei sehr vollem Colostomiebeutel kann der Inhalt durch die Lochöffnung des Beutels in die Toilette gedrückt werden.

Ausstreifbeutel und Urostomiebeutel sollten schon vorher entleert werden. Anschließend faltet man den Beutel klein zusammen und kann ihn nun in Zeitungspapier gewickelt in einer Plastiktüte verstauen. Diese wird dann verknotet in die Mülltonne (Restmüll) geworfen. Auch auf Reisen kann man den Beutel auf diese saubere Art loswerden, denn es gibt sicher in jedem Haus einen Mülleimer, in dem man so ein unauffälliges Päckchen verschwinden lassen kann. 

Wie und wo sollten die Stomaversorgungsartikel gelagert werden?

Nach Auskunft verschiedener Versorgungsartikelfirmen sind Stomaversorgungsartikel grundsätzlich unbegrenzt lagerfähig, wenn sie richtig, also kühl und trocken, aufbewahrt werden. Nur bei extremer Hitze, Kälte, Feuchtigkeit oder Trockenheit kann das Haftmaterial reagieren und seine Haftfähigkeit verlieren. Die Anforderungen einer richtigen Lagerfähigkeit sind bereits erfüllt, wenn die Beutel bei einer normalen Raumtemperatur (etwa 20° C) und normaler Luftfeuchtigkeit (nicht im Badezimmer!) aufbewahrt werden. Sie sollten nicht über längere Zeit starker Sonnenbestrahlung ausgesetzt werden. Lagerplätze auf der Fensterbank oder unmittelbar über einem Heizkörper sollten vermieden werden. Bei Reisen in sehr warme Gegenden empfiehlt es sich, die Beutel bzw. Platten in einer Kühltasche aufzubewahren.

3. Das Stoma im Alltag: Von Geräuschen bis zum Sexualleben

Macht ein Stoma Geräusche?

Blähungen, die beim Darmstoma geräuschvoll entweichen, sind für manche eine so große Belastung, dass sie befürchten, nicht mehr unter Menschen gehen zu können. Im Laufe der Genesungszeit nach der Operation vermindert sich die Neigung zu solchen Blähungen meist sehr, auch können Medikamente und eine Umstellung der Ernährung helfen. Nicht immer wird das Geräusch von anderen so deutlich vernommen, wie man selbst glaubt. Durch selbstbewusstes und ungeniertes Auftreten kann manche peinliche Situation überspielt werden oder gar nicht erst entstehen. Merkt man, dass eine Blähung im Kommen ist, kann das Geräusch durch Druck mit der Hand oder dem Unterarm auf das Stoma vermieden oder die Lautstärke verringert werden.

Stomaträger, die sehr oft unter geräuschvollem Gasabgang leiden, werden sicher gut damit fahren, in bestimmten Situationen (Beruf, Besuche) ihre Mitmenschen offen darüber aufzuklären. Helfen können vielleicht auch geräuschdämmende Auflagen oder eine spezielle Abdeckschale, mit Gürtel über dem Stoma zu tragen, die man kaufen kann.

Riecht das Stoma?

Dank der modernen, vielfältigen Versorgungsmöglichkeiten mit geruchsfesten

Beuteln sollten unangenehme Gerüche kein Thema mehr sein. Lediglich der Stomaträger selbst hat oft noch Angst zu riechen, obwohl dies nicht der Fall ist - es sei denn, der Filter am Beutel (bei Darmstoma) arbeitet unzureichend oder die Haftfläche hat sich etwas gelöst, was einen Beutelwechsel notwendig macht. Am meisten wird der Geruch beim Beutelwechsel oder beim Entlüften des Beutels stören. Hier helfen Geruch überdeckende oder neutralisierende Sprays als Luftverbesserer oder ein paar Tropfen eines speziellen Deodorants oder „Geruchstilgers“, die vor dem Anlegen in den Beutel getan werden können.

Die Folien der heute in Deutschland erhältlichen Beutel sind alle geruchsdicht. Sie lassen, je nach Fabrikat etwas unterschiedlich, jedoch für die Tragezeit ausreichend lange, keine Gerüche durch. Je nach Geruchsintensität und Menge der Ausscheidungen, meist erst nach längerer Tragezeit (länger als 2 Tage) kann die Folie weniger frisch wirken oder einen schwachen Eigengeruch annehmen. 

Stoma Filter

Darmstoma: Was mache ich, wenn sich der Beutel mit Luft füllt?

Beim Anlegen des Beutels sollte immer darauf geachtet werden, dass ein flaches Luftpolster im Beutel ist, um auszuschließen, dass die Beutelinnenflächen zusammenhaften. Dieses Zusammenkleben verhindert, dass die Ausscheidungen in den unteren Teil des Beutels gelangen. Dazu kann auch das Einstecken eines Stücks Toilettenpapier vor dem Anlegen hilfreich sein.

Bei einer dicht abschließenden Versorgung, kommt es durch Darmgase zur Aufblähung des Beutels. Das ist besonders bei einer Colostomie der Fall. Die meisten Beutel haben deshalb einen eingebauten Filter, der ein geruchloses, kontinuierliches Entweichen dieser Gase erlauben soll. Nicht immer reicht jedoch die Geruchstilgung dieser Filter für die Dauer der Tragezeit aus. Als weiterer Nachteil wird oft empfunden, dass die Luft vollständig entweicht und so das wichtige Luftpolster, wie oben beschrieben, verloren geht. Diesen Nachteil muss man in Kauf nehmen, oder man muss auf das laufende Entweichen der Gase verzichten, indem man den eingebauten Filter mit einem Klebestreifen überklebt und diesen nur zum Entlüften abzieht. 

Worauf sollte ich bei der Wahl meiner Kleidung achten?

Man benötigt keine spezielle Kleidung, sondern kann in der Regel dasselbe tragen wie vor der Operation. Kein Mensch wird etwas von dem Stoma oder der Versorgung sehen, denn moderne Versorgungen sind so flach und unauffällig, dass sie sich sogar unter enger Kleidung oder unter einem Badeanzug kaum abzeichnen. Außerdem glaubt immer nur der Stomaträger selbst, andere könnten etwas sehen, weil er ja weiß, wie das Stoma aussieht und wo es ist, aber die meisten unserer Mitmenschen wissen darüber überhaupt nicht Bescheid und werden somit auch nichts Außergewöhnliches entdecken. Frauen sollten keine zu engen Miederwaren tragen, die auf das Stoma drücken. Bei Bedarf kann vom Bandagisten ein Lochausschnitt eingearbeitet werden. Der Beutel lässt sich dann durchziehen und er kann sich so ungehindert füllen. Je nach Lage des Stomas kann es angenehmer sein, die Hose mit Hosenträgern anstelle eines Gürtels zu halten.

Ernährung: Was kann und darf ich mit Stoma essen?

Die Ernährung muss immer der Verdauungsleistung des Einzelnen angepasst werden, allgemein gültige Ratschläge für Stomaträger werden zwar immer wieder gegeben, verlangen aber oft ganz unnötige Einschränkungen. Bei der Colostomie (Dickdarmausgang) ist meist nur ein kleiner Teil des Dickdarmes entfernt worden, weshalb sich der Grundrhythmus der Verdauung im Allgemeinen bald wieder einstellt. Je größer der Anteil des Dickdarmes ist, der entfernt oder ausgeschaltet wurde, desto häufiger und breiiger wird der Stuhl sein. Bei einer Ileostomie (Dünndarmausgang), bei der der gesamte Dickdarm entfernt oder vorübergehend ausgeschaltet wurde, kann keine Speicherung und Eindickung des Stuhls mehr erfolgen, häufiger und breiiger bis flüssiger Stuhl ist dann ganz natürlich. Ist durch die Operation der Krankheitsherd entfernt und liegt keine andere organische Erkrankung vor, die eine bestimmte Diät notwendig macht, so kann ein Stomaträger als gesund bezeichnet werden und ist deshalb nicht generell eingeschränkt in der Wahl der Lebensmittel. Jeder wird jedoch trotzdem mit der Zeit herauszufinden versuchen, wie er mit der Art und Weise seiner Ernährung den Alltag oder bestimmte Situationen (z.B. Theaterbesuch) besser meistern kann oder wie er entsprechend der Zuverlässigkeit seiner Versorgung Blähungen und ungünstige Stuhlbeschaffenheit vermeiden kann.

Übrigens sollte man nach einiger Zeit die einmal als unverträglich eingestuften Nahrungsmittel noch einmal testen, denn es ist möglich, dass sie später andere Wirkungen zeigen.

Ileostomieträger erleiden durch die häufigen Darmentleerungen einen großen Verlust an Wasser und Mineralstoffen, welcher durch eine höhere Zufuhr von Getränken und Mineralien ausgeglichen werden soll. Mangelzuständen sollte durch regelmäßige Laborkontrollen durch einen erfahrenen Arzt vorgebeugt werden. Bei Kürzung des Dünndarms sollte die eingeschränkte Vitamin B12-Aufnahme beachtet werden. (Mehr zu diesem Thema finden Sie in der ILCO-Broschüre: „Ernährung nach Stoma- oder Darmkrebsoperation“, die Sie kostenlos in der Bundesgeschäftsstelle anfordern können.

Für Urostomieträger ist die Einhaltung einer Diät nicht notwendig, außer Ihr Arzt schreibt eine solche im speziellen Fall vor. Im Allgemeinen aber sind alle Nahrungsmittel erlaubt. Spargel verursacht einen starken Geruch des Urins. Besonders wichtig ist es, täglich eine reichliche Menge an Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Häufige und dünnflüssige Darmentleerungen können manchmal die Folge der Entnahme des terminalen Ileums (Darmteil vor Einmündung in den Dickdarm) zur Konstruktion der Harnableitung (vor allem bei Pouchanlagen) und die dadurch gestörte Rückresorption der Gallensäuren sein. 

Worauf muss ich bei der Einnahme von Medikamenten achten?

Informieren Sie den verordnenden Arzt grundsätzlich über Ihr Stoma, da gewisse Medikamente (darunter auch die sogenannte Anti-Baby-Pille) nicht oder nur mangelhaft vom Darm aufgenommen werden (vor allem bei Ileostomie) oder Verdauungsbeschwerden hervorrufen können. Recht oft erleben es Stomaträger, dass sich die Verdauungsgewohnheiten als Folge einer medikamentösen Behandlung plötzlich ändern. Antibiotika können z.B. Durchfall, Schmerzmittel Verstopfung bewirken.

Durch die Einnahme von Medikamenten kann als Nebenwirkung auch in den Hautdrüsen und/oder Stuhl/Urin eine chemische Veränderung hervorgerufen werden, die sich auf die Haftung der Stomaversorgung auswirken kann.

Stört das Stoma mein Sexualleben?

Der überwiegenden Zahl der Stomaträger ist es möglich, ein erfülltes sexuelles Leben zu führen. Bei Männern kommt es in seltenen Fällen (z.B. bei der Entfernung ausgedehnterer Tumoren im Enddarmbereich bzw. nach Entfernung der Prostata) vor, dass bei der Operation Nerven geschädigt werden, die die Sexualfunktion, vor allem die Erektionsfähigkeit steuern. Auch können seelische Hemmungen die Ursache für Potenzstörungen sein. Hier spielt die Einstellung zum Stoma eine wichtige Rolle. Bei Frauen wirken sich seelische Faktoren noch deutlicher aus, wenn der eigene Körper als nicht mehr anziehend empfunden wird und sich daraus eine Abwehrhaltung und Unfähigkeit zur geschlechtlichen Beziehung entwickelt. In diesem Fall kann ein Gespräch beider Partner mit dem Arzt oder mit Gleichbetroffenen eine echte Hilfe sein. Auf alle Fälle muss betont werden, dass das Stoma alleine kein Hindernis für ein normales Sexualleben ist.

Fahrradfahrer mit Stoma

Kann man auch mit Stoma Sport treiben?

Ein Stoma ist kein Hinderungsgrund, dem gewohnten Sport nachzugehen. Nur Sportarten, die das Stoma oder den Sitz der Versorgung gefährden, sollten gemieden werden. Zu diesen Sportarten gehören z.B. Boxen, Gewichtheben, Judo, Karate und Ringen. Auch beim Geräteturnen kann es zu Schwierigkeiten kommen. Für manche Sportarten wie Ballsport, Wasserski u.a. ist das Tragen von Schutzgürteln oder -kappen von Vorteil.