Schwer-in-Ordnung-Ausweis?

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    • Schwer-in-Ordnung-Ausweis?

      Liebe Forumsmitglieder,

      in der Zeitung habe ich gelesen, dass sich eine 15-jährige Jugendliche, die mit einem Down-Syndrom lebt, seit einiger Zeit dafür stark macht, dass die Bezeichnung "Schwerbehindertenausweis" geändert wird. Sie ist der Meinung, dass der Begriff nicht richtig ist, denn sie findet sich nicht schwer behindert, sondern schwer in Ordnung! :thumbup:

      Was meint denn ihr dazu? Und wie findet ihr den Begriff "Schwerbehindertenausweis" eigentlich?
      Würde eine Umbenennung - wie auch immer sie lauten mag - überhaupt etwas daran ändern, wie Menschen mit Behinderungen in Deutschland wahrgenommen werden?
      Oder daran, wie ihr den Begriff "schwerbehindert" für euch empfindet?

      Ich bin gespannt darauf, ob sich dazu eine Diskussion entwickelt - denn sicher hat jeder dazu seine ganz eigene Einstellung oder Sichtweise.

      Ich habe den Thread jetzt mal bei "Schwerbehinderung" eingestellt, weil das Wort einfach passt. Aber vielleicht gehört das Thema doch eher zu "Dies und das"? ?(

      Wie auch immer grüßt euch herzlich

      T1-Fan
      Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren. (Benjamin Franklin)
      Ileostomie seit "ewigen" Zeiten
    • Hallo,

      tja, das ist so ein Sache mit dem Begriff "Schwerbehinderung" Ich finde den englischsprachigen Begriff "handycab" eigentlich viel besser. Ob jetzt "Schwer in Ordnung" besser ist, weiß ich auch nicht. Für betroffene Kinder und Jugendliche sicherlich einer viel freundlichere Bezeichnung. Ob ich es so für mich haben möchte? Weiß ich nicht......

      Es ist ja schon lange in der Diskussion einen anderen Begriff als Schwerbehinderung zu finden. Gelungen ist es ja bisher scheinbar nicht.

      schöne Grüße aus dem hohen Norden

      Martin
      Nichts ist so beständig wie der Wandel.......... :thumbsup:
    • Es mag ja sein das dieses Mädchen sich Schwer in Ordnung findet und andere Kinder Kinder sich durch die Bezeichnung Schwerbehindertenausweis ausgegrenzt fühlen. Kein Kind mag sich gern vor anderen mit seinen Körperlichen nachteilen outen.

      Ich persönlich würde mich mit einem Schwer in Ordnung Ausweis verarscht fühlen. Denn ich bin nun mal nicht schwer in Ordnung im gesundheitlichen Sinn. Meine Krankheit hindert mich daran mein Leben so weiter zu führen wie vor meiner Erkrankung. Deshalb kann ich auch mit der Bezeichnung Schwerbehindertenausweis leben. Eine Umbenennung des Ausweises in Teilhabe Ausweis wie vorgeschlagen wurde würde doch an der Behinderung auch nichts ändern.

      Ich denke da gibt es wichtigere Dinge mit denen sich das Niedersächsische Sozialministerium beschäftigen sollte.

      Liebe Grüße Uschi :00000441:
    • "Teilhabe-Ausweis" ist ein anderer Vorschlag gewesen, das finde ich nicht schlecht. Mir persönlich ist es aber egal, was draufsteht. Ich hab zur Zeit 80% mit G, RF und B, die Vorteile bzw. der Ausgleich ist mir wichtiger, als das was draufsteht.
      The only good nation is imagination.
      The only good system is a soundsystem.
      (Herkunft unbekannt, zu sehen an vielen Wänden und Brücken auf der ganzen Erde.)
    • Interessantes Thema ... :!: :thumbup:

      Ich habe mir dazu noch nie irgendwelche Gedanken gemacht, sollte es aber vielleicht!
      Für mich war "schwerbehindert" immer ein eigenständiger Begriff - im Gegensatz zu schwer behindert! In einem Wort zusammengeschrieben ist damit für mich automatisch die im Sozialgesetzbuch verankerte Erklärung verknüpft. Um unsere Rechte diesbezüglich wahrnehmen zu können muss ja eine gewisse "Schwere" der Einschränkung vorliegen. Ob ich mit Handicap einverstanden wäre weiß ich nicht - klingt mir fast zu lasch.

      Dennoch werde ich mal weiter grübeln, was mir dazu noch einfällt. Und ich bin schon gespannt auf weitere Meinungen dazu!

      LG Guru
      Ileoptimistin (= Optimistin mit Ileostoma ;) seit über 30 Jahren wegen M. Crohn)
    • T1-Fan schrieb:

      Und wie findet ihr den Begriff "Schwerbehindertenausweis" eigentlich?
      Würde eine Umbenennung - wie auch immer sie lauten mag - überhaupt etwas daran ändern, wie Menschen mit Behinderungen in Deutschland wahrgenommen werden?
      Mein Vorschlag : Behindertenausweis. Fertig !

      Die "Schwere" ergibt sich ja aus den Graden der Behinderung (GdB) mit und/oder Zusatzbuchstaben..

      Finde aber diese "Diskussion" eigentlich sehr nebensächlich...man muss nicht immer und alles in Frage stellen , nur weil einige wenige Personen anderer Meinung sind.
      Mein Glas ist halb voll...ganz voll muss nicht sein..
      ich bin zwar kein Dichter , aber ich liebe den Reim .
    • Ach ich find den Begriff klasse. Gerade weil der Begriff von einem Kind stammt. Ich fand es toll wie dieses Kind mit der Behinderung umgeht und klar signalisiert das Behinderung nichts schlimmes sein muss. Und warum nicht wenn es hilft mit der Situation umzugehen. Zumal der Begriff Behindert auch als Beschimpfung genutzt wird. Anders sein als andere macht Persönlichkeit aus und es ist eine Stärke dies nicht zu verstecken. Behindert zu sein ist nichts schlimmes. Schlimm ist nur das viele damit nicht umgehen können und ich werde deswegen auch anders behandelt und wahrgenommen wie früher. Dabei bin ich noch der selbe Mensch. Klar anders als andere aber schwer in Ordnung halt. ;)
    • Zugegeben, den Bergriff "Schwer in Ordnung Ausweis" zu thematisieren halte ich für eine wirklich gute Sache. Nicht nur hier im Forum. Zumal es auf die 15-jährige "Erfinderin" sogar zuzutreffen scheint. :thumbup:
      Eine wertvolle Diskussion wurde in vielen Medien ausgelöst.

      Meines Erachtens trifft dieser Begriff den inhaltlichen Kern des Ausweises dennoch nicht besser als es der existierende Begriff derzeit tut. Seit über 20 Jahren habe ich einen GdB von 70 und habe mich nie wirklich "schwerbehindert" gefühlt. Aber oft beeinträchtigt. Daher wäre für mich der Begriff "Beeinträchtigungsausweis" eine weitere Option.
      Lg
      Ich wollte mir das nur mal anschauen. Jetzt bin ich mitten drin... :)
    • Es ist schon sehr typisch für eine Jugendliche mit Down-Syndrom, sich sowas auszudenken. Dieses seltsame Syndrom, welches Menschen schafft die einen ganz anderen Blickwinkel auf das Leben und die Gesellschaft haben. :)

      Beeinträchtigungsausweis finde ich auch nicht schlecht.
      The only good nation is imagination.
      The only good system is a soundsystem.
      (Herkunft unbekannt, zu sehen an vielen Wänden und Brücken auf der ganzen Erde.)
    • Einfach....Ausweis.....
      Was soll das andere alles bringen?
      Denn so oft benötigt ihn man ja doch nicht.Und man könnte irgendwie ein "Bild" rauftun,wo draus ersichtlich,für was....dieser Ausweis....ist
      ?( <3
    • Stimmt man braucht ihn kaum. Aber warum nicht speziell für Kinder wenn es denen hilf besser mit der Behinderung zurecht zu kommen bzw. sich so zu nehmen wie sie sind. Gerade bei Kids und Teenis die vermutlich oft ausgegrenzt oder gehänselt werden. Oder einfach wie diese junge Mädel. Es tut ihr gut. Und ich find es super das sie den Ausweis genauso bekommt. Der Begriff der Behinderung ist einfach in der Gesellschaft viel zu negativ besetzt.
    • Zunächst möchte ich all jenen meinen Respekt zollen, die sich trotz ihrer Behinderung - ungeachtet des Grades und eingetragenen Merkzeichen - schwer in Ordnung finden.
      Ich selbst finde mich und andere schwer in Ordnung und andere behaupten das von mir.
      Nachdem wir uns trotz bestehender Unterschiede nun alle schwer in Ordnung finden, können wir uns dem eigentlichen Anliegen der Botschaft dieser 15 jährigen Hannah zuwenden.

      Das Mädchen mit dem Downsyndrom geht es mit der Änderung der Bezeichnung vor allem darum, als Mensch wahrgenommen zu werden. Sie hat die gleichen Erwartungen, Lebensansprüche und Wünsche wie Menschen ohne Behinderungen. Sie will kein Mitleid, aber Mitmenschlichkeit. Sie will keine Bevormundung, sie will selbstbestimmt sein.
      Dieses Gefühl, selbstbewusst sein Leben gestalten zu können, ist die große Sehnsucht der Menschen, die mit körperlichen und geistigen Einschränkungen leben.
      Sie brauchen das Verständnis und die Hilfe der Gesellschaft, sie brauchen Rücksicht und unsere Solidarität im Kampf gegen jede Art der Diskriminierung.

      Barrieren, die Rollstuhlfahrern den ungehinderten Zugang zu Geschäften, Einrichtungen u. a. erschweren oder nicht ermöglichen, lassen sich mit der Namensänderung
      eines Ausweises nicht aus der Welt schaffen. Diskussionen um Bezeichnungen sind in meinen Augen Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Problemen. Wir finden sie
      auch in anderen Zusammenhängen, zum Beispiel, ob unsere Nationalhymne umgetextet werden soll. Damit lassen sich aber Probleme der Integratoion genauso wenig lösen, wie die noch immer bestehende Ungleichbehandlung von Frauen.
      Gefühle lassen sich nicht reglementieren, sie sind da oder nicht. Wie ich mich fühle, leitet sich aus keinem Ausweis ab, egal welche Phantasienamen kreiert werden.
      Und Behinderungen lassen sich eben nicht eliminieren, sie sind objektiv vorhanden. Behinderte haben Nachteile. Dies wird unter anderem mit einem Schwerbehindertenausweis dokumentiert. Er ist Teil rechtlicher Regelungen, die helfen sollen, einen Nachteilsausgleich zu schaffen. Nur so lässt sich gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.
      Ich finde es immer wieder erstaunlich und bewundernswert, zu welche Leistungen Menschen mit Behinderungen fähig sind, wenn sie unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung haben.
      Die Paralympics in Pyeongchang sind dafür ein beredtes Zeugnis.
      Keinen verderben zu lassen, auch nicht sich selber, jeden mit Glück erfüllen, auch sich. Das ist gut.
      (Bertholt Brecht/1898-1956/deutscher Dramatiker und Lyriker)
    • ROTFUCHS schrieb:

      Barrieren, die Rollstuhlfahrern den ungehinderten Zugang zu Geschäften, Einrichtungen u. a. erschweren oder nicht ermöglichen, lassen sich mit der Namensänderung
      eines Ausweises nicht aus der Welt schaffen
      Eben deshalb meine Meinung,belasst es so wie es ist.
      In meinem Post Nr.6 habe ich schon mal geschrieben , dass ich die Diskussion über eine Neufindung der Bezeichnung für den Ausweis sehr nebensächlich finde.

      Man kann vieles in Frage stellen , aber man muss nicht alles , was seit Jahrzehnten Bestand hat , ohne Not meinen , ändern zu müssen.
      Mein Glas ist halb voll...ganz voll muss nicht sein..
      ich bin zwar kein Dichter , aber ich liebe den Reim .
    • Bei der ganzen Debatte fällt mir ein, dass das subjektive Gefühl, wie "behindert" oder "in Ordnung" man sich fühlt sicher auch davon abhängt, ob man "schon immer" behindert war oder erst im Laufe des Lebens eine Behinderung bekommen hat.
      Denn nur Letztere können mit dem "unbehindert" vergleichen.
      Bei "angeborenen" Behinderungen bleibt einem zwar der Vergleich mit anderen (Gesunden), aber das ist nicht dasselbe! :meinung:
      Ileoptimistin (= Optimistin mit Ileostoma ;) seit über 30 Jahren wegen M. Crohn)
    • Hallo,
      also mich hat der Schwerbehindertenausweis noch nie vom Namen her gestört. Warum auch.
      Man muss doch nicht immer alles umbenennen, was schon jahrelang seinen Namen hat.
      Hymne, Negerküsse, Ausweise alles muss plötzlich umbenannt werden.

      Mensch, wir sind krank und haben wohl andere Probleme, als für so einen unwichtigen Teil
      andere Wörter zu finden.

      Außerdem habe ich in den 10 Jahren meinen Behindertenausweis noch nie gebraucht. Nur
      täglich den Parkausweis, der mir nichts nützt, da die Parkplätze generell von "Gesunden"
      genutzt werden.

      Liebe Grüße
      Margot
      Geht nicht - gibts nicht !! :thumbup: