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27.08.2018 13:42

Erklärt: Stomaartikel im Hilfsmittelverzeichnis

Alle reden von der Fortschreibung des Hilfsmittelverzeichnisses. Aber um was geht es da eigentlich? Wir haben das Ganze kompakt und verständlich zusammengefasst.


Der Aufbau des Hilfsmittelverzeichnisses

Das Hilfsmittelverzeichnis (HMV) der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) enthält verordnungsfähige Hilfsmittel, die nach Produktgruppen gegliedert werden. Dieses Verzeichnis wird vom GKV-Spitzenverband (Dach der gesetzlichen Krankenkassen) erstellt. Die am Markt erhältlichen Produkte werden entsprechend ihrer Einsatzgebiete in verschiedene Produktgruppen zusammengefasst. Produktgruppe 29 umfasst die Stomaartikel. Die Positionsnummer beschreibt das jeweilige Produkt. Sie setzt sich wie in folgendem Beispiel zusammen:

29.  Produktgruppe (Stomaartikel)  
  29.26.   Anwendungsort (künstliche Körperöffnungen = Stoma)  
  29.26.01.   Untergruppe (Geschlossene Beutel)  
  29.26.01.0.   Anwendungsart (Beutel für Basisplatte)  
  29.26.01.0.001   genaues Produkt (Kolostomiebeutel)  

Neben der Produktgruppe sind auch die Stomaarten und ihre Besonderheiten im HMV näher beschrieben: es gibt kurze Informationen über Versorgungsbesonderheiten und über die "Anleitung im sachgerechten Gebrauch".

Warum ist eine "Fortschreibung" des HMV erforderlich?

"Fortschreiben" beudeutet so viel wie "ergänzen" oder "überarbeiten". Über einen sehr langen Zeitraum wurden viele Produktgruppen nicht überarbeitet - darunter auch die Produktgruppe 29. Somit wurden gesetzliche Änderungen bisher im HMV vernachlässigt. Ebenso fehlt im HMV, wie die konkrete Anleitung im sachgerechten Gebrauch der Stomaartikel aussehen sollte (Wie lange? Wie oft?) und was für Beratung bei Versorgungsproblemen geleistet werden sollte. Ähnliches gilt für die berufliche Qualifikation derjenigen, die Stomaartikel abgeben bzw. die Anleitung übernehmen (es gibt derzeit nur allgemeine Formulierungen, wie „geschulte Fachkräfte“).

Mit dem 2017 verabschiedeten Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz wurde endlich festgelegt, dass das HMV fortgeschrieben werden soll.

Wie läuft so eine "Fortschreibung" ab?

Der GKV-Spitzenverband Bund macht bekannt, dass eine Produktgruppe überarbeitet wird und legt einen Entwurf dieser Überarbeitung vor. Für die Produktgruppe 29 Stomaartikel wurde dieser Entwurf im Mai 2018 vorgelegt. Er wird dann den Verbänden der Hersteller und der Leistungserbringer auf Bundesebene zur Stellungnahme zugesandt. Die maßgeblichen Patienten- und Selbsthilfeorganisationen haben ebenfalls die Gelegenheit, Stellungnahmen abzugeben.

Wie hat sich die ILCO beteiligt?

Die ILCO wurde über ihren Dachverband (BAG Selbsthilfe) zur Stellungnahme aufgefordert. Da der vorgelegte Entwurf der Fortschreibung aus Sicht der ILCO eher ernüchternd war und die Interessenvertretung von Stomaträgern bei der ILCO großgeschrieben wird, sah sie dringenden inhaltlichen Handlungsbedarf und wollte Stellung nehmen.

In einer kleinen ILCO-Arbeitsgruppe wurde der Entwurf mit seinen über 90 Seiten akribisch geprüft. In dem knappen Monat bis zur Abgabefrist wurden viele Änderungsvorschläge zusammengetragen und begründet.

Die Hoffnung, dass endlich auch die qualifizierte und spezialisierte Beratung in der Stomaversorgung die angemessene Anerkennung und Gewichtung erfährt, wurde aber enttäuscht. Die Beratungskriterien blieben sehr allgemein und ermöglichen den Kassen eine sehr unterschiedliche Auslegung in ihren Einzelverträgen. Die ILCO würde es dagegen begrüßen, wenn genauere Beratungserfordernisse festgelegt würden, die einen verbindlicheren Rahmen für die Kassen bilden. Ein einheitlicherer Rahmen hätte auch Auswirkungen auf die Qualifikation der Fachkräfte, die die Stomaversorgung durchführen. Daher hat die Deutsche ILCO parallel zur grundsätzlichen Stellungnahme noch eine weitere Stellungnahme nur zum Beratungserfordernis eingereicht („Grundsätzliche Anforderungen der Deutschen ILCO an die Beratung zur Versorgung mit Stomaartikeln“).

Wie geht es jetzt weiter?

Alle Stellungnahmen werden beim GKV-Spitzenverband gesammelt, zusammengefasst und kommentiert. Letztlich ist es der Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, der die Änderungen berät und beschließt. Die maßgeblichen Patienten-/Selbsthilfeorganisationen auf Bundesebene haben das Recht, bei der Beschlussfassung anwesend zu sein.

Natürlich hoffen wir, dass zumindest ein Teil der ILCO-Vorschläge bei den Entscheidern auf Zustimmung stößt. Was aber nicht umgesetzt wird, bietet Anlass und Stoff für die nächsten Schritte in der Interessenvertretung. Denn: Im Durchhalten sind wir gut – die eigene Betroffenheit und das Wissen um den Nutzen unseres Engagements für Gleichbetroffene sind unser Ansporn!