Stomaarten

Ileostomie - künstlicher Dünndarmausgang

Das Dünndarmstoma wird nach dem Ileum (= unterer Dünndarm) Ileostoma bzw. Ileostomie genannt. Eine endständige Ileostomie wird angelegt, wenn der gesamte Dickdarm entfernt werden musste und keine Operation zur Wiederherstellung der Kontinenz möglich ist. Dabei wird das Ende des Dünndarms meist auf der rechten Seite der Bauchdecke ausgeleitet. Ein optimal angelegtes Ileostoma ist rot, gut durchblutet, hat etwa 2 - 3 cm Durchmesser und steht deutlich über Hautniveau (2 - 4 cm) hinaus, um ein gutes Abfließen des dünnflüssigen Stuhls in den Beutel zu ermöglichen. Da der Dünndarm den Darminhalt kaum eindickt und auch nicht speichern kann, ist der Stuhl überwiegend flüssig bis breiig und wird über den ganzen Tag verteilt entleert. Einer dichten, hautschonenden Stomaversorgung ist daher größte Bedeutung beizumessen.

Eine doppelläufige Ileostomie (auch Schutzstoma oder Entlastungsstoma genannt) wird angelegt mit dem Ziel, den Stuhl vor einem Hindernis, einem entzündlich veränderten Darmabschnitt oder einer zu schonenden Darmnaht abzuleiten. Beim doppelläufigen Ileostoma (meist oval geformt) wird eine Dünndarmschlinge nach außen geholt und auf der Vorderseite durchtrennt, so dass zwei Öffnungen entstehen. Ein Darmschenkel entleert (meist wässrig-flüssigen) Stuhl, der andere Darmschenkel ist stillgelegt und sondert eventuell auf natürlichem Weg über den After kleine Kot- und Schleimmengen ab. Eine geplante Stomarückverlegung ist bei dieser Stomaanlage relativ einfach, muss aber nicht unbedingt erfolgen.

 

Kontinenzerhaltende Operationen nach Dickdarmentfernung

Mit kontinentem Stoma:

Bereits 1967 wurde erstmals die von Prof. Nils Kock aus Schweden entwickelte kontinente Ileostomie, die sogenannte Kocksche Tasche (oder auch Kock-Pouch genannt) nach Dickdarmentfernung angewandt. Dabei wird aus dem Ende des verbliebenen Dünndarms ein inneres Reservoir geschaffen, dessen zur Bauchdecke ausgeleiteter Darmteil dank einer chirurgisch ausgefeilten Ventiltechnik dicht abschließt und eine Beutelversorgung überflüssig macht. Das Stoma selbst liegt flach im Hautniveau unterhalb der "Bikini-Linie" und kann mit Mullläppchen oder Minikappen abgedeckt werden. Der Stomaträger entleert das Reservoir mit einem Katheter direkt in die Toilette.

Diese Operationsform wurde vor allem in den Achtzigerjahren häufiger angewandt, aber immer nur von sehr wenigen Chirurgen ausgeführt. Heute ist diese Technik durch den Ileoanalen Pouch (s. unten) fast ganz abgelöst worden, kommt aber immer noch infrage, wenn (z.B. nach Colitis ulcerosa) der Schließmuskel nicht mehr ausreichend dicht hält und eine Lösung mit Beutelversorgung abgelehnt wird. Auch die Umwandlung des Ileoanalen Pouches in eine Kocksche Tasche bei gravierenden Kontinenzproblemen ist möglich. (Nur wenige Operateure, Auskunft über ILCO-Bundesgeschäftsstelle.) 

Ohne Stoma bei erhaltenem Schließmuskel:

Durch den ileoanalen Pouch (Stuhlreservoir aus Dünndarm mit Anschluss an den natürlichen After) wird die Methode nach Kock so gut wie gar nicht mehr als Operationsmöglichkeit erwähnt. Ein ileoanaler Pouch wird heute bei Vorerkrankung Colitis ulcerosa und Familiärer Polyposis vorzugsweise immer dann angelegt, wenn bei manometrischer Prüfung die Dichtigkeit des Schließmuskels als gut eingestuft wird und keine anderen nachteiligen Folgen vorhersehbar sind. Die meisten Chirurgen halten ein für einige Wochen oder Monate angelegtes Stoma zum Schutz der Pouchnähte für wichtig. Nach einer Eingewöhnungszeit, in der sich die anfänglich hohe Stuhlfrequenz deutlich vermindert und bei Einhaltung einiger Ernährungsregeln und regelmäßiger Po-Pflege nach jedem Stuhlgang wird oft eine sehr gute Lebensqualität erzielt. Allerdings bringt es die Möglichkeit diverser Komplikationen (z.B. Pouchitits, zu häufiger Stuhldrang, Undichtigkeit des Schließmuskels) mit sich, dass ein nicht unerheblicher Teil der Operierten nicht die erhoffte Unbeschwertheit erreicht. In diesem Fall können immer noch die Ileostomie oder die Umwandlung in eine Kocksche Tasche als Lösung diskutiert werden.

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