Stomaarten

Harnableitungen ohne Stoma

Harnleiter-Darmeinleitungen, Rektum-Blase

Diese Harnableitungen kommen ohne Stoma aus, da die Harnleiter direkt in den Enddarm eingenäht werden. Bei der Harnleiter-Darm-Implantation (HDI) werden Stuhl und Harn zusammen über den After ausgeschieden. Nachteile sind: Undichtigkeit des Schließmuskels im Schlaf, aufsteigende Infektionen aus dem Darm in die Nieren, Rückresorption von Urin über die Darmwand mit Stoffwechselproblemen.

Eine sogenannte Rektum-Blase, ein echtes Harnreservoir mit Ausscheidung des Urins über den After entsteht, wenn der Enddarm abgetrennt und die Harnleiter in den verschlossenen Rektumstumpf eingenäht werden. Die Stuhlausscheidung erfolgt dann über ein Dickdarmstoma. Dieses Verfahren hat ähnliche Nachteile wie die HDI-Methode. Beide Operationstechniken stammen aus einer Zeit, in der es noch keine optimale Stomaversorgung gab und werden heute in Deutschland nur noch äußerst selten angewandt. Sie kommen eher noch in Ländern zum Einsatz, deren Bevölkerung ein Stoma nicht akzeptiert.

Blasenersatz, Augmentation, Neoblase

Ziel dieser Operationsmethoden ist es, einen möglichst "echten" Blasenersatz zu schaffen mit Entleerung auf natürlichem Weg - ohne Stoma und ohne Beutelversorgung. Die Bildung einer Ersatzblase kommt nur dann infrage, wenn die Harnröhre und der Blasenschließmuskel unter Beachtung der notwendigen Radikalität bei Krebserkrankungen erhalten werden können. Die Augmentation (Neuaufbau der Blase) geschieht aus Darmteilen (je nach Methode nur aus Dünndarm oder einer Kombination aus Dünn- und Dickdarm), die zu einem kugelförmigen Hohlorgan vernäht werden. Dieses wird an den erhaltenen Blasenrest mit Harnröhre angeschlossen und mit den antirefluxiv (den Rückfluss von Urin zu den Nieren verhindernd) eingepflanzten Harnleitern verbunden. Diese Darmersatzblasen (Neoblasen) werden durch Entspannung des Beckenbodens und mit Hilfe der Bauchpresse entleert, z.T. auch durch Selbstkatheterismus. Da der Füllungszustand nicht bewusst wahrgenommen wird, muss die Entleerung nach einem festen Zeitschema vorgenommen werden. Hohe Motivation, Training und Disziplin von Seiten des Patienten sowie regelmäßige Nachsorge sind Voraussetzung. Nicht immer wird die gewünschte Kontinenz - trotz möglichem Training des Schließmuskels - erreicht, vor allem ist häufig ein nächtliches Einnässen hinzunehmen. Bei vollständiger Inkontinenz kommt auch die Implantation eines künstlichen Sphinkters infrage, die jedoch eigene Komplikationsraten mit sich bringt.

Gesundheitliche Folgen bei Verwendung von Darm für Urinreservoire

Grundsätzlich ist zu allen Operationsmethoden, die Darmmaterial für die Harnableitung verwenden, zu sagen, dass die Darmwand in keiner Weise die Eigenschaften der für Urin absolut dichten Blasenwand aufweist. Durch die Darmwand findet ständig ein Austausch von Flüssigkeiten statt, so dass der bereits zur Ausscheidung fertige Urin wieder in die Blutbahn gelangen und zu einer Übersäuerung des Blutes führen kann. Deshalb sind eine gesunde Nierenfunktion, die Störungen des Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts ausgleichen kann und eine engmaschige Überwachung des Stoffwechsels für solche Betroffene unerlässlich.

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