Stoma

Allgemeines

Indikationen (Gründe) für eine Stomaanlage können durch Erkrankung von Darm oder Blase gegeben sein, auch Funktionsstörungen dieser Organe, Fehlbildungen oder Verletzungen können ein Stoma erforderlich machen. Ein endständiges Stoma ist nur dann notwendig, wenn Speicher- und Schließmuskelfunktion von Darm bzw. Blase dauerhaft verloren gegangen sind; ohne Stoma wäre man inkontinent. Bei manchen angeborenen Fehlbildungen (sonstige Ursachen) ist die Stomaanlage sogar lebensnotwendig.

 weitere Literaturhinweise: Link > Stoma - Infos & Literatur

 

Häufigkeit der Erkrankungen, die zu einer Stomaanlage führen können (nach Angaben von rund 7300 ILCO-Mitgliedern)   

Krebserkrankungen
(Dickdarmkrebs, Blasenkrebs u.a.)

72 %

Entzündliche Darmerkrankungen
(Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Divertikulitis)

21 %

Fehlbildungen, Unfall,
Durchblutungsstörungen, u.a.

7 %

 

Ursachen

Krebserkrankungen (Darmkrebs, Blasenkrebs)

Die häufigste Ursache für eine Stomaanlage ist eine bösartige Erkrankung von Darm oder Blase. Da Darm- oder Blasenkrebs meist im höheren Alter auftritt, ist die Mehrzahl der Patienten über 60 Jahre alt, wenn die Anlage eines künstlichen Ausganges nötig wird. Nicht immer ist bei der ersten Tumor-Operation ein Stoma erforderlich - je nach Krebsstadium kann sowohl beim Darmkrebs als auch beim Blasenkrebs eventuell kontinenzerhaltend (den natürlichen Ausgang erhaltend) operiert werden, wenn ausreichende Reservoir- und Schließmuskelfunktion zu erwarten sind.

Auch infolge von Krebserkrankungen der Nachbarorgane von Darm oder Blase (Gebärmutter, Nieren usw.) kann eine Stomaanlage notwendig werden, z.B. wenn durch eine Strahlentherapie der Darm geschädigt wurde oder ein Tumor organübergreifend gewachsen ist.

Darmkrebs                                                      

Bei Darmkrebs muss unterschieden werden zwischen Dickdarmkrebs (Colonkarzinom) und Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom). Bei Tumoren des oberen Dickdarmes muss selten ein endständiges Stoma angelegt werden; nach Teilentfernung des befallenen Darmteils wird allerdings manchmal ein vorübergehend angelegtes Stoma zur Entlastung der Darmnaht nötig.

Bei der chirurgischen Therapie des Rektumkarzinoms kommt es darauf an, wie groß der Tumor ist und wie dicht er am Schließmuskel sitzt: Können Schließmuskel und ein Teil des Mastdarms trotz ausreichend radikaler Operation erhalten bleiben, ist kein Stoma - oder nur ein vorübergehend angelegtes Entlastungsstoma - nötig. Der tumortragende Darmabschnitt wird heraus geschnitten. Liegt der Tumor so ungünstig, dass die gebotene Radikalität der Krebstherapie eine Entfernung des gesamten Schließmuskelapparates mit umliegenden Lymphknoten notwendig macht, ist eine Stomaanlage unvermeidlich. In diesem Fall bleibt der größte Teil des Dickdarmes erhalten. Nach der Mastdarmentfernung und bei Bedarf auch noch anschließender Darmteile wird eine Colostomie (=Dickdarmstoma) angelegt. Im Rahmen der Krebsbehandlung können weitere Therapien wie Bestrahlung oder Chemotherapie abhängig vom Krankheitsstadium notwendig sein.

Die Entscheidung, ob kontinenzerhaltend oder "radikal" operiert wird, ist für den Chirurgen oft nicht einfach. Das Risiko eines eventuellen Rezidivs (Krankheitsrückfall), gestörter Schließmuskelfunktion oder von zu häufigem Stuhldrang bei Schließmuskelerhalt muss von Fall zu Fall abgewogen werden. Neuere Operationstechniken ermöglichen heute, auch bei tiefsitzendem Tumor, eine Darmnaht sehr nahe am Schließmuskel und die Verbesserung der Speicherkapazität des verbliebenen Dickdarms durch reservoirbildende Konstruktionen (z.B. "Colon-Pouch").

Tumore des Dünndarmes kommen extrem selten vor und bedingen gelegentlich eine (vorübergehende) Stomaanlage.

Blasenkrebs                                                          

Häufigste Ursache für eine künstliche Harnableitung ist das Harnblasenkarzinom, da hierbei ab einem bestimmten Krebs-Stadium die komplette Blase entfernt werden muss. Oberflächliche Harnblasenkarzinome werden durch die sogenannte transurethrale Resektion (TUR) therapiert; dabei werden befallene Stellen mittels Blasenspiegelung (Zystoskopie) durch die Harnröhre entfernt. Je nach Erkrankungsstadium muss sich der Patient auch medikamentösen Therapien unterziehen (Chemotherapie, Instillationstherapie). Muss aufgrund der Tumorausdehnung die Blase komplett entfernt werden (radikale Zystektomie), ist eine operativ angelegte Harnableitung erforderlich. Dazu werden die Harnleiter entweder in Form einer sogenannten Urostomie über die Bauchdecke ausgeleitet (Stomaarten) oder in den Darm implantiert (Harnleiter-Darm-Implantation = HDI). Kann Harnröhre samt Blasengrund erhalten werden, ist die Konstruktion eines Reservoirs aus Darmteilen möglich, das als Blasenersatz dient (Neoblase) und über den natürlichen Weg entleert werden kann.

Bei der radikalen Zystektomie werden beim Mann Harnblase, Prostata und Samenblasen entfernt, bei der Frau Harnblase, Gebärmutter, Eierstöcke und vordere Vaginalwand.

                                                                   

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind es vor allem die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn, die zur Anlage eines Stomas führen können. Je nach Krankheitsverlauf und akutem Zustand des Patienten wird die Operation als planmäßiger Eingriff oder als Notfall-Operation durchgeführt.

Die Colitis ulcerosa, eine chronisch entzündliche Erkrankung des Dickdarmes, kann durch Entfernung des gesamten Dickdarmes "geheilt" werden. Hier bietet sich als Alternative zur Ileostomie (Dünndarmstoma) in der Regel eine stomavermeidende Operation, ein ileoanaler Pouch an, wenn die Entzündung den Schließmuskel nicht zu sehr geschädigt hat. Der Pouch (englisch = Beutel, Tasche), ein innerliches Stuhlreservoir, das aus Dünndarmteilen gebildet und mit dem Schließmuskel verbunden wird, ermöglicht, dass der Stuhl auf natürlichem Weg ausgeschieden wird. Zur Entlastung der Darmnähte wird bei dieser Operationsart meist vorübergehend ein Stoma angelegt.
Die Bildung einer Kockschen Tasche, eines inneren Pouches mit dichtem, katheterisierbarem Stoma als weitere kontinente Alternative, wenn der Schließmuskel nicht die erforderliche Dichtigkeit aufweist, wird heute mangels Chirurgen, die mit dieser anspruchsvollen Technik geübt sind, kaum noch angeboten.

Der Morbus Crohn kann seine entzündlichen Veränderungen im gesamten Verdauungstrakt und auch durch die Wandschichten des Darmes ausbreiten. Ist eine Operation im Dünn- oder Dickdarm angezeigt, wird der Chirurg häufig ein Darmsegment resezieren (herausoperieren), ohne unbedingt ein Stoma anlegen zu müssen. Leider kann es bei einem im Enddarm lokalisierten Morbus Crohn durch ausgeprägte Fistelbildungen oder starke Entzündungsprozesse, auch Abszesse, zur Zerstörung des Schließmuskels kommen, weshalb dann eine Stomaanlage (Colostimie oder Ileostomie) oft unumgänglich ist. Auch vorübergehend angelegte Stomata können in Frage kommen, um einen entzündeten Darmabschnitt oder Nahtverbindungen nach Teilentfernungen besser abheilen zu lassen. Bei Verlust des gesamten Dickdarmes hat sich die Anlage eines ileoanalen Pouches nicht bewährt, da sich im Pouch meist sehr bald wieder Entzündungen bilden.

Zu den entzündlichen Darmerkrankungen zählt auch die Divertikulitis. Bei dieser Erkrankung, die überwiegend im höheren Alter auftritt, haben sich die sogenannten Divertikel (Aussackungen der Darmwand) entzündet, was zu Abszessen oder sogar zur Perforation (Darmdurchbruch) führen kann. Falls (eher selten) chirurgisch eingegriffen werden muss, wird der befallene Darmteil entfernt, wobei es zur Anlage eines vorübergehenden Stomas zum Schutz der Darmnaht kommen kann. Meist ist eine konservative Therapie (mit Medikamenten) erfolgreich.

                                                                

Familiäre Polyposis

Bei der Familiären Polyposis (Adenomatosis coli), einer meist erbliche Krankheit, bilden sich im Dickdarm zahlreiche Polypen, welche entarten können. Bei Anzeichen einer solchen Entwicklung aber auch prophylaktisch - also möglichst vor der Entstehung von bösartigen Tumoren - wird hierbei fast immer der gesamte Dickdarm - oft schon im jungen Lebensalter - entfernt. Meistens kann der Schließmuskel erhalten und ein ileoanaler Pouch aus Dünndarmteilen konstruiert werden, der die verloren gegangene Speicherfunktion des Dickdarms ersetzt (siehe hierzu auch oben unter Colitis ulcerosa). Die meisten Chirurgen legen in diesem Fall bis zur Ausheilung der Darmnähte vorübergehend ein Stoma an. Ist es nicht möglich, den Schließmuskel zu erhalten, wird eine Ileostomie (Dünndarmstoma) notwendig. Die Anlage einer Kockschen Tasche (s. oben) könnte auch hier eine Lösung sein, die jedoch heute kaum noch in Erwägung gezogen wird.

                                                                        

Sonstige Ursachen für eine Stomaanlage

Beim Kind erfordern angeborene Fehlbildungen des Mastdarmes bzw. des Afters (Atresien, Morbus Hirschsprung) oder der Blase (z.B. Blasenekstrophie) manchmal schon gleich nach der Geburt einen operativen Eingriff mit Stomaanlage. Auch plötzlich auftretende Entzündungen des Darmes (nekrotisierende Enterocolitis), chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Missbildungen (z.B. Spina bifida) oder Verletzungen können bereits im Kindesalter zur - geplanten oder auch notfallmäßigen - Stomaoperation führen.

Bei Erwachsenen kommen als sonstige Ursachen für ein Stoma u.a. schwere Stuhl- oder Harninkontinenz in Frage. Auch neurogene Blasenentleerungsstörungen, Schrumpfblase, Lähmungen, Verletzungen, Strahlenfolgen einer Krebstherapie oder andere seltenere Erkrankungen, die Darm- oder Blasenfunktion nachhaltig stören, können eine Stomaanlage erfordern. Abhängig von den geschädigten bzw. entfernten Organen wird eine Colostomie, Ileostomie oder Urostomie angelegt (Stomaarten). In vielen Fällen, wie z.B. nach Verletzungen von Darm oder After, kann nach erfolgreicher Wiederherstellung der Darmkontinuität bzw. des Verschlussapparates das Stoma wieder zurückverlegt werden.

                                                                     


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