Stellungnahmen

Forderungen der Deutschen ILCO zur Versorgung von Stomaträgern

verabschiedet vom Vorstand der Deutschen ILCO am 06.12.2002

Teil 3: Erläuterung der Forderungen

zu 1. Qualitätsmanagement für Stomaoperationen und Stomanachsorge, Stomaambulanzen für die stomabezogene medizinische Nachsorge

Die Deutsche ILCO fordert,

  • dass verbindliche Qualitätsstandards für alle Stomaoperationen und die Stomanachsorge nach der besten internationalen Evidenz entwickelt und in einem Qualitätsmanagementsystem auf Einhaltung überprüft werden.
  • dass Stomaträger - vor allem in den ersten beiden Jahren nach der Stomaanlage - ambulant in die Klinik zurückgehen können, in der sie operiert worden sind. Alle Kliniken, die Stomaoperationen durchführen, müssen eine solche "Stomaambulanz" zur stomabezogenen medizinischen Nachsorge und zur Stomaberatung anbieten. Nur so gibt es eine Rückkopplung und die Ärzte sehen die langfristigen Ergebnisse ihrer Stomaoperation. Wesentlich wäre, dass Komplikationen statistisch erfasst und ausgewertet werden, damit ihre Ursachen für die Zukunft behoben werden können.

zu 2. Schaffung und Qualitätsmanagement von Stomaberatungsstellen

Die Deutsche ILCO fordert ein flächendeckendes Netz von Stomaberatungsstellen, die Stomaträgern in zumutbarer Entfernung zugänglich sind. Die Beratung muss am tatsächlichen Bedarf für eine optimale Versorgung orientiert sein, über die Vielfalt an Versorgungsartikeln informieren und alle in Deutschland erhältlichen Versorgungsartikel gleichberechtigt und nicht von kommerziellen Interessen geleitet anbieten. Das Idealbild ist die (von Gewinninteresse) unabhängige Stomaberatung.

Große Kliniken mit vielen Stomaanlagen müssten einen Stomaberater fest anstellen. Er sollte gleichzeitig regelmäßige Beratungsstunden anbieten für alle Stomaträger der Region, die Probleme am oder durch das Stoma haben. In der Fläche könnten ambulante Leistungserbringer (wie Sanitätshäuser, Home-Care-Unternehmen) ein solches Beratungsangebot vorhalten. Dazu müssen jedoch für die Stomaberatung dringend verbindliche einheitliche Qualitätsrichtlinien entwickelt werden. Die Leitlinie "Stomaberatung" der Deutschen ILCO definiert dafür grundlegende Anforderungen.

Angesichts der Unüberschaubarkeit von Gesundheitssystem und Hilfsmittelmarkt für den Stomaträger sind verbindliche Leitlinien für die gesamte Versorgungskette - von der Stomaanlage bis zur psychosozialen Unterstützung - längst überfällig. An der Erarbeitung dieser Leitlinien ist die Deutsche ILCO mit ihrer Kompetenz unmittelbar zu beteiligen.

Das Einhalten der Leitlinien muss von unabhängiger Stelle überprüft werden.

zu 3. Durchführung von Maßnahmen der Anschlussrehabilitation in Rehabilitations-Einrichtungen, die für Stomaträger geeignet sind

Die Deutsche ILCO fordert, dass Stomaträgern Rehabilitationsmaßnahmen nur in Einrichtungen bewilligt werden, welche die Kompetenz für diese Behinderung und die Grundkrankheit nachweisen. Die in Entwicklung befindliche Leitlinie "Stationäre Rehabilitation des Stomaträgers" legt dazu grundlegende Anforderungen fest.

zu 4. Einrichtung und regelhafte Einbeziehung des Kliniksozialdienstes, Information über professionelle psychosoziale Beratungseinrichtungen im ambulanten Bereich und über die Unterstützungsangebote der ILCO sowie Vermitteln zu diesen Einrichtungen

Die Deutsche ILCO fordert, dass Akut- und Rehakliniken über einen Kliniksozialdienst verfügen müssen und dass dieser regelhaft in die Versorgung von Stomaträgern einzubeziehen ist, um frühzeitig den weiteren Informations- und Hilfebedarf zu klären, einen bruchlosen Übergang in Anschlussheilbehandlungen oder die weitere ambulante Versorgung sicherzustellen und so die Voraussetzungen für eine gelungene Rehabilitation zu schaffen.

Außerdem müssen Akut- und Rehabilitations-Einrichtungen über weitere psychosoziale Angebote und unabhängige Patientenberatungseinrichtungen im Wohnumfeld informieren bzw. eine Kontaktaufnahme vorbereiten.

Dazu gehört auch, dass die Unterstützungsangebote der ILCO empfohlen werden und dass - wo ortsnah vorhanden - zu diesen vermittelt wird.

Zusammengefasst:
Für die Versorgung von Stomaträgern muss - unter Beteiligung der Fachgruppen und der Deutschen ILCO - ein umfassendes und qualitätsgesichertes Versorgungsmanagement entwickelt werden.

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