Stellungnahmen
Forderungen der Deutschen ILCO zur Versorgung von Stomaträgern
verabschiedet vom Vorstand der Deutschen ILCO am 06.12.2002
Teil 1: Selbstverständnis, Ziel und Aufgaben der Deutschen ILCO
Die 1972 gegründete Deutsche ILCO versteht sich entsprechend ihrem Selbstauftrag als eine Solidargemeinschaft von Stomaträgern (Menschen mit einem künstlichen Darmausgang oder einer künstlichen Harnableitung) und deren Angehörigen. Ihre Arbeit ist bestimmt von den Prinzipien der Selbsthilfe, des Ehrenamtes sowie der inhaltlichen und finanziellen Unabhängigkeit. Sie orientiert sich allein an den Interessen der Stomaträger. Sie hat sich selbst verpflichtet, Stomaträgern in Deutschland beizustehen, dass sie ein selbstbestimmtes und selbständiges Leben mit dem Stoma in Familie, Beruf und Gesellschaft führen können.
Dazu bietet die Deutsche ILCO Stomaträgern und deren Angehörigen individuelle Unterstützung an durch - Information in Wort und Schrift
- Erfahrungsaustausch und Beratung zum täglichen Leben mit dem Stoma sowie
- Interessenvertretung bei stomabezogenen Anliegen.
Sie bemüht sich für alle Stomaträger um den Abbau der Tabuisierung des Stomas. Sie setzt sich für eine hochwertige qualitätsgesicherte professionelle Versorgung ein und dafür, dass die benötigten Stomaartikel zuzahlungsfrei zur Verfügung stehen.
Im Bereich der Versorgung sind heutzutage erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. In vielen Akut- und Rehakliniken, insbesondere in solchen, die sich auf die Versorgung von Stomaträgern spezialisiert haben, entspricht die medizinische und pflegerische Versorgung der Stomaträger einem hohen Qualitätsstandard. Ebenso sind viele Angebote der Stomaberatung von hoher Qualität. Dennoch sind bei noch zu vielen Akut- und Rehakliniken sowie anderen Rehaträgern Defizite festzustellen, ebenso in der ambulanten Versorgung. Es sind dies meist strukturell bedingte Defizite, da sich jeder niedergelassene Arzt, jede Klinik oder jeder Stomaberater in die Versorgung von Stomaträgern einschalten kann, ohne dafür die erforderliche Kompetenz nachweisen zu müssen.
Die Deutsche ILCO drängt auf den Abbau dieser Defizite und entwickelt dazu Vorschläge, die in diesem Forderungskatalog zusammengefasst sind.
Defizite in der Versorgung von Stomaträgern (siehe auch Teil 2) | Forderungskatalog zur Versorgung von Stomaträgern (siehe auch Teil 3) | 1. Defizite in der Qualität der medizinischen Versorgung und in der Verfügbarkeit von Einrichtungen der stomabezogenen medizinischen Nachsorge | 1. Qualitätsmanagement für Stomaoperationen und Stomanachsorge (nach evidenz-basierten Kriterien); Schaffung von Stomaambulanzen für die stomabezogene medizinische Nachsorge | 2. Defizite in der Verfügbarkeit und Qualität der Stomaberatung | 2. Schaffung und Qualitätsmanagement von neutralen Stomaberatungsstellen | 3. Defizite in der Qualität der stationären Anschlussrehabilitation | 3. Durchführung von Maßnahmen der Anschlussrehabilitation in Rehabilitationseinrichtungen, die für Stomaträger geeignet sind | 4. Defizite in der Verfügbarkeit und Einbeziehung psychosozialer Unterstützungsangebote | 4. Einrichtung und regelhafte Einbeziehung des Kliniksozialdienstes; Information über professionelle psychosoziale Beratungseinrichtungen im ambulanten Bereich und über die Unterstützungsangebote der ILCO sowie Vermitteln zu diesen Einrichtungen |
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