Stellungnahmen
ILCO-Leitlinie "Stomaberatung"
verabschiedet vom Vorstand der Deutschen ILCO am 01.12.2000 Zustimmung der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie e.V. am 14.05.2001
Einleitung und Grundsätze
Einleitung
Stomaberatung1 hat die Aufgabe zu erreichen, dass - der Stomaträger über die Funktionsweise seines Stomas und möglicherweise auftretende Veränderungen am Stoma selbst und/oder den Ausscheidungen informiert ist und Beratungs- und Behandlungsstellen für auftretende Probleme kennt. Damit wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass der Stomaträger Sicherheit in seiner neuen Lebenssituation gewinnt.
- der Stomaträger seine individuell passende und sichere Versorgung erhält. Eine sichere Stomaversorgung ist die unerlässliche Voraussetzung für den Erfolg der übrigen Rehabilitationsmaßnahmen.
- die für die laufende Bereitstellung der Stomaartikel - diese sind im Gegensatz zu den meisten anderen Hilfsmitteln Verbrauchsartikel - anfallenden Kosten im erforderlichen Rahmen bleiben.
Stomaberatung hat damit eine zentrale Aufgabe bei der Rehabilitation des Stomaträgers und dient bei später auftretenden Schwierigkeiten der Sicherung der Lebensqualität.
Grundsätze
Damit Stomaberatung qualifiziert und zielgerichtet zur Anwendung kommt, muss sie, wie die Beratung in allen anderen Beratungsbereichen, folgende Grundsätze erfüllen: - Die Stomaberatung muss die selbstbestimmte und selbständige Lebensführung des Ratsuchenden und damit seine Unabhängigkeit vom Berater zum Ziel haben.
- Die Stomaberatung erfordert es, dass der Berater auf die individuelle Persönlichkeit des Ratsuchenden eingeht.
- Die Stomaberatung muss so angelegt sein, dass der Berater die vorgesehenen Maßnahmen gemeinsam mit dem Ratsuchenden plant.
- Die Stomaberatung muss umfassend sein, d.h. alle für den einzelnen Beratungsfall erforderlichen Informationen und Maßnahmen einbeziehen. Sie darf nicht durch Subjektivität und geschäftliche Interessen eingeengt werden.
- Die Stomaberatung muss sich auf das Notwendige beschränken. Überflüssige Informationen führen zur Verwirrung, überflüssige Maßnahmen zur Verteuerung und hierdurch zu Problemen mit der Kostenerstattung.
- Die Stomaberatung muss berücksichtigen, dass sie im Rahmen des Rehabilitationsprozesses eine wichtige Aufgabe wahrnimmt, dass aber zur vollständigen Rehabilitation eine koordinierte multidisziplinäre und interdisziplinäre Zusammenarbeit (mit Ärzten, psychologischen Diensten, Sozialdienst, Selbsthilfeorganisation ILCO) erforderlich ist.
- Die Stomaberatung muss für den Stomaträger sowohl örtlich als zeitlich gut erreichbar sein.
1 "Beratung ist der bewusste Ausgleich eines Wissens- und Einsichtsgefälles zwischen Personen mit der Tendenz zur Einwirkung auf das Verhalten der Personen mit geringerem Wissens- oder Einsichtsstand im Wege der persönlichen Kommunikation." (Fachlexikon der sozialen Arbeit, 1997). Eine Auskunft unterscheidet sich von Beratung durch die fehlende Tendenz zur Einwirkung auf das Verhalten des Beratenen. Therapie (Behandlung) hat dagegen eine Einwirkung auf das Verhalten des Behandelten zum Ziel und unterscheidet sich von der Beratung durch ihre aktive Vorgehensweise.
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