Stellungnahmen

ILCO-Leitlinie "Stationäre Rehabilitation des Stomaträgers"

verabschiedet vom Vorstand der Deutschen ILCO am 25.04.2003

Anforderungen an den Rehabilitationsablauf: Umsetzung

Sprechstunden und Visiten

  • Vorstellung innerhalb der ersten 24 Stunden des Klinikaufenthaltes bei Arzt und Stomatherapeut
  • Eingehen auf akute Probleme bzw. Komplikationen

Termine
Stationsarzt, Oberarzt, Chefarzt

  • täglich bei akuten Problemen (wenn notwendig im Patientenzimmer)
  • regelmäßig 1 x / Woche, feststehender Termin (Patientenzimmer)

Stomatherapeut

  • nach Bedarf bei akuten Problemen täglich (wenn notwendig im Patientenzimmer)
  • wöchentlich, feststehender Termin (im Beratungsraum)

Ernährungsberater: nach Anmeldung

Psychologe: nach Anmeldung oder ärztlicher Veranlassung

Sozialarbeiter: nach Anmeldung oder ärztlicher Veranlassung

Physiotherapeut: nach ärztlicher Verordnung

Trainingsprogramm

  • Umgang mit Hilfsmitteln zur selbstständigen Versorgung (Patientenzimmer)
  • Irrigationstraining (Patientenzimmer) nach Indikationsstellung
  • Inkontinenzprogramm, Biofeedback (Patientenzimmer) bei Bedarf
  • Training der Sicherheit im Alltag (Gymnastik, Wandern, Schwimmen usw.)
  • Physiotherapie (Beckenbodentraining, prophylaktische Maßnahmen etc.)

Edukative Maßnahmen

Strukturierte, auf die speziellen Erfordernisse abgestimmte Schulungsprogramme haben das Ziel, den Betroffenen an der Bewältigung seiner Krankheitsfolgen zu beteiligen, seine eigene Verantwortung zu stärken, seine Selbständigkeit zu fördern und eine aktive Auseinandersetzung mit der Krankheit (Coping) und der Behinderung zu ermöglichen. Die Arbeit in kleinen Gruppen ist häufig notwendig, um gezielt Inhalte zu erarbeiten und die erworbenen Kenntnisse zu vertiefen.

Spezielle Themen

  • Umgang mit dem Stoma und den Hilfsmitteln (Grundversorgung, Versorgungsmaterialien)
  • Prophylaxe von Stomakomplikationen
  • Behandlung von Komplikationen
  • Darmreinigung mittels Irrigation (theoretische Grundlagen)
  • Kostanpassung bei Stuhlgangsproblemen
  • Störungen im psycho-sexuellen Bereich
  • Verhaltensanpassung bei Harn-Inkontinenz
  • Hilfsmittel bei Inkontinenz
  • Alltagsprobleme, Selbsthilfe

Allgemeine Themen

  • Grundlagen, Diagnostik und Behandlungsmethoden der Grundkrankheit
  • Aspekte der medizinischen Nachsorge
  • Reintegration in den Arbeitsprozess

Psychologische Angebote

Die psychische Hilfestellung sollte sich am individuellen Bedarf orientieren. Das individuelle Erleben des Krankheitsverlaufes und die spezifische Belastung durch die notwendigen therapeutischen Eingriffe, die abhängig sind von der Grunderkrankung, beeinflussen die Notwendigkeit einer psychischen Stützung sowie deren Umfang und Form.

Zu beachten ist hierbei die stark variierende Krankheitsverarbeitung. Ferner müssen Aufklärungsstand (Vorurteile, Erfahrungen), Ursachenzuschreibung (Kausalattributation), das soziale Umfeld (Familie, Partnerschaft usw.) sowie die speziellen Faktoren wie z. B. sexuelle Aktivität vor Operation bzw. Krankheit berücksichtigt werden.

Vermerkt sei in diesem Zusammenhang, dass nicht jeder Stomaträger professionelle, z. B. fachpsychologische Hilfe benötigt. Je nach Situation kann eine sachgerechte Information oder eine Begegnung mit Gleichbetroffenen den gleichen Erfolg haben wie eine professionelle Entwicklung adäquater Verarbeitungsmethoden.

Ziel einer psychologischen Intervention ist es, Hilfestellungen zu geben zur Bewältigung des Krankheitsgeschehens und hierdurch aufgebrochener Lebenskonflikte, die eine normale Alltagsbewältigung längerfristig behindern. Dabei sollten möglichst individuelle Ressourcen berücksichtigt werden. Je nach Indikation sollte die Möglichkeit des Einsatzes von Gruppen- und Einzeltherapien bestehen. Neben der verbalen Kommunikation ist auch der Einsatz gestalterischer Angebote/Möglichkeiten erfolgversprechend. Entspannungsverfahren (z. B. autogenes Training, progressive Muskelrelaxation) ermöglichen eine Verminderung von begleitenden Symptomen wie Angst, Depression, Schmerz und psychovegetativen Störungen im Rahmen des Krankheitsgeschehens.

Eine ambulante Weiterbehandlung nach der stationären Rehabilitation sollte - wenn notwendig - von seiten der Rehabilitationsklinik empfohlen bzw. im Bedarfsfall vermittelt werden.

Unterstützung durch Selbsthilfegruppen (Deutsche ILCO)

Eine Information des Stomaträgers über die Selbsthilfeorganisation Deutsche ILCO und gegebenenfalls über weitere krankheitsbezogene Selbsthilfeorganisationen (z. B. Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa-Vereinigung) ist grundsätzlich vorzunehmen. Durch Kontakt mit Gleichbetroffenen erfährt er in der Regel eine besonders wirksame Hilfe durch die Vermittlung von praxisnahen persönlichen Erfahrungen mit dem Stoma und der potentiellen Bewältigungsmöglichkeiten bei eventuell auftretenden Problemen. Vertreter der ILCO sollten regelmäßig Sprechstunden bzw. Gruppengespräche in der Klinik durchführen können. Ein Konzept über eine Zusammenarbeit mit der ILCO sollte von der Rehabilitationsklinik entwickelt werden.

Sozialberatung

Eine Sozialberatung ist zur Rehabilitation unbedingt erforderlich. Sie koordiniert die unterschiedlichen Versorgungsmöglichkeiten und verschafft Zugang zu unterstützenden persönlichen, gesellschaftlichen, sozialen und materiellen Ressourcen. Sie gibt Informationen und Hinweise oder vermittelt an zuständige Stellen.

Wöchentlich werden Vorträge und Gruppengespräche zu den Möglichkeiten der sozialrechtlichen Absicherung bzw. zum Wiedereinstieg in das Arbeitsleben veranstaltet. Einzelberatungen werden bei persönlichen und speziellen Problemen notwendig.

Vorgehen:

  • Beurteilung der krankheits- und behinderungsbedingten Situation
  • Klärung von beruflichen und psychosozialen Problemen
  • Aufzeigen der Möglichkeiten und Entscheidungshilfen, die zur Lösung der anstehenden Probleme führen können
  • Hinweise und Antragstellung aufgrund gesetzlicher Möglichkeiten
  • Vermittlung weiterführender Beratungsmöglichkeiten, auch am Wohnort

Berufliche Beratung

Voraussetzung jeder beruflichen Beratung ist zunächst eine gründliche individuelle Berufsanamnese und die Klärung der Frage, ob eine Tätigkeit unter Erwerbsbedingungen möglich ist oder nicht.

Grundlage hierfür ist eine sozialmedizinische Stellungnahme, die unter Berücksichtigung des Alters und des zu erwartenden Verlaufs der Erkrankung enthalten soll:

  • Dokumentation der krankheitsbedingten Funktionsausfälle
  • Beschreibung der verbliebenen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit
  • umfassende Beschreibung der zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit
  • Vergleich der Leistungsfähigkeit mit den Anforderungen der zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit
  • Beschreibung von funktionellen Beeinträchtigungen bezogen auf die zuletzt ausgeübte berufliche Tätigkeit (negatives Leistungsbild)
  • Beschreibung der verbliebenen zumutbaren qualitativen Leistungsmerkmale, des körperlichen Arbeitsumfanges, der Arbeitshaltung und der Arbeitsorganisation (positives Leistungsbild)
  • Selbsteinschätzung des Patienten zur beruflichen Leistungsfähigkeit
  • Empfehlung für berufsfördernde Maßnahmen

Informationsumfang

Die Beratung des Stomaträgers soll eine gründliche Information über Grundkrankheit, Funktion des Stomas und eine Aufklärung über mögliche Komplikationen umfassen sowie psychosoziale und berufliche Probleme und deren eventuelle Lösung bzw. mögliche Hilfen ansprechen.

Die Beratung erfolgt individuell und ist den speziellen Bedürfnissen des Stomaträgers anzupassen. Bewährt hat sich trotzdem ein grundlegendes Konzept, welches als Fundament für eine individuelle Beratung gelten kann. Letzteres sollte - der Übersichtlichkeit halber - standardisiert sein und folgende Einzelheiten umfassen, die auch zu dokumentieren sind:

  • Ursache der Stomaanlage
  • Bezeichnung (Name) der Stomaanlage
  • prophylaktische Maßnahmen
  • Einzelheiten des bisherigen Verlaufs
  • Hinweise auf mögliche Komplikationen
  • ggf. abschließende Information über die Irrigation (bei der Colostomie und entsprechender Indikation)
  • Kenntnisse über eine verträgliche und gesunde Ernährung
  • Kenntnisse über Verordnung der Hilfsmittel
  • Bezeichnungen (Namen) der Hilfsmittel
  • Hinweise auf Bezugsquellen (Sanitätshaus, Apotheke usw.)
  • grundsätzliche Informationen über sonstige Ansprechstellen am Ort (z. B. Gesundheitsamt, Krebsberatungsstelle, Selbsthilfe-Kontaktstelle)
  • Kenntnisse über weitere Rehabilitationsmöglichkeiten (ambulant, teilstationär)
  • Kenntnisse über sozialrechtliche Möglichkeiten
  • Kenntnisse über berufliche Möglichkeiten
  • Möglichkeiten von Nachsorgemaßnahmen der Grunderkrankung (z. B. Tumornachsorge)
  • Aushändigung oder Information über schriftliche Informationshilfen (Ratgeber usw.)
  • Übergabe des UNS (Untersuchungsnachweis Stoma) der ILCO bei Colostomie und Ileostomie 

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